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Wissen rund um Raumakustik

Akustik Glossar: die wichtigsten Fachbegriffe einfach erklärt

Wer sich zum ersten Mal mit Raumakustik beschäftigt, stolpert über Begriffe wie Nachhallzeit, Absorptionsgrad oder Schallabsorberklasse. Klingt nach Physikunterricht, entscheidet aber darüber, ob ein Raum am Ende angenehm klingt. Hier stehen 32 Begriffe kurz erklärt, jeweils mit dem Hinweis, was sie für deinen Raum praktisch bedeuten.

Schallabsorption oder Schalldämmung: was brauche ich?

Schallabsorption macht den Raum ruhiger, in dem du dich befindest. Schalldämmung hält Schall davon ab, in den Nachbarraum zu gelangen. Wer sich vom Nachhall im eigenen Zimmer gestört fühlt, braucht Absorber. Wer den Nachbarn hört, braucht Masse in Wand, Decke oder Tür. Absorber an der Wand machen den Nachbarn nicht leiser.

Alle Begriffe auf einen Blick

Grundbegriffe

Dezibel (dB)

Dezibel ist die Maßeinheit für den Schalldruckpegel und läuft logarithmisch. Eine Verdopplung der Schallenergie entspricht rund 3 dB mehr, als deutlich lauter empfunden werden etwa 10 dB. Umgekehrt heißt das, dass schon eine Senkung um 3 bis 5 dB im Raum spürbar Ruhe bringt.

Erstreflexion

Die Erstreflexion ist der erste Schall, der nicht direkt, sondern über eine Wand, die Decke oder den Boden bei dir ankommt. Sie trifft kurz nach dem Direktschall ein und verwischt ihn. In Heimkinos und Studios werden diese Punkte zuerst behandelt, weil sie den größten Effekt pro Quadratmeter bringen.

Flatterecho

Ein Flatterecho ist ein schnelles, metallisch klingendes Zittern, das entsteht, wenn Schall zwischen zwei glatten parallelen Wänden hin und her springt. Du hörst es, wenn du in einem leeren Raum in die Hände klatschst. Schon ein Absorber auf einer der beiden Flächen unterbricht dieses Hin und Her.

Frequenz

Die Frequenz ist die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, gemessen in Hertz, und bestimmt, ob wir einen Ton als tief oder hoch wahrnehmen. Menschen hören etwa zwischen 20 und 20.000 Hz, Sprache spielt sich überwiegend zwischen 250 und 4.000 Hz ab. Für die Materialwahl ist das entscheidend, denn dünne Absorber wirken bei hohen Frequenzen gut und bei tiefen kaum.

Nachhallzeit

Die Nachhallzeit ist die Zeit, die ein Geräusch braucht, bis es um 60 Dezibel abgeklungen ist, abgekürzt als T oder RT60. In einem leeren Altbauzimmer können das zwei Sekunden sein, in einem gut möblierten Wohnraum eher 0,5 Sekunden. Je länger sie ausfällt, desto mehr verschwimmt Sprache. Sie ist die zentrale Stellgröße, an der jede akustische Verbesserung gemessen wird.

Raumakustik

Raumakustik ist die Lehre davon, wie sich Schall innerhalb eines Raumes verhält, also wie lange er nachklingt und wie klar Sprache ankommt. Davon zu unterscheiden ist die Bauakustik, bei der es um den Schall zwischen zwei Räumen geht. Alles, was du bei uns findest, arbeitet an der Raumakustik.

Schallabsorption

Schallabsorption ist die Umwandlung von Schallenergie in eine minimale Menge Wärme, statt sie an der Wand zurückzuwerfen. Der Raum wird dadurch ruhiger und klarer, weil weniger Schall zwischen den Flächen hin und her läuft. Genau das leisten Schallabsorber.

Schalldämmung

Schalldämmung ist die Fähigkeit eines Bauteils, Schall am Durchgang in den Nachbarraum zu hindern. Dafür braucht es Masse und dichte Anschlüsse, also schwere Wände, Türen und Fenster. Ein Absorber an der Wand macht deinen eigenen Raum angenehmer, den Nachbarn aber nicht leiser.

Sprachverständlichkeit

Sprachverständlichkeit ist das Maß dafür, wie mühelos gesprochene Worte verstanden werden. Sie leidet weniger unter Lautstärke als unter Nachhall, weil jede Silbe von der vorherigen überlagert wird. In Büros, Klassenzimmern und Gastronomie ist sie der eigentliche Grund, warum Menschen am Abend erschöpft sind.

Kennwerte und Normen

Absorptionsgrad

Der Absorptionsgrad α ist der Anteil der auftreffenden Schallenergie, der geschluckt statt zurückgeworfen wird. 0 bedeutet vollständige Reflexion wie bei einer Fliesenwand, 1 bedeutet vollständige Absorption. Der Wert gilt immer nur für eine bestimmte Frequenz und wird deshalb als Messkurve über den Frequenzbereich angegeben.

Äquivalente Absorptionsfläche

Die äquivalente Absorptionsfläche A ist die auf volle Wirkung umgerechnete Fläche eines Raumes, angegeben in Quadratmetern. Zwei Quadratmeter Absorber mit einem Absorptionsgrad von 0,9 ergeben 1,8 Quadratmeter Absorptionsfläche. Mit dieser Größe wird ausgerechnet, wie viel Material ein Raum tatsächlich braucht.

Bewerteter Schallabsorptionsgrad (αw)

Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw ist eine Einzahlangabe zwischen 0 und 1, die die gesamte Messkurve nach DIN EN ISO 11654 zusammenfasst. Er ist der Wert, mit dem sich zwei Produkte am ehesten vergleichen lassen. Ein αw von 0,90 heißt vereinfacht, dass 90 Prozent der auftreffenden Schallenergie nicht zurückkommen.

Brandverhalten

Das Brandverhalten beschreibt, wie sich ein Material im Brandfall verhält, klassifiziert nach EN 13501-1. Weil Akustikmaterial großflächig an Wand und Decke hängt, ist der Nachweis in öffentlichen und gewerblichen Räumen oft Pflicht. Die deutsche Einstufung „schwer entflammbar" entspricht B1. Bei Projekten in Schulen, Praxen oder Gastronomie solltest du diesen Nachweis vor der Bestellung anfragen.

DIN 18041

Die DIN 18041 ist die deutsche Norm „Hörsamkeit in Räumen" und legt fest, welche Nachhallzeit für welche Nutzung angemessen ist, von Klassenzimmern über Büros bis zu Sporthallen. Sie ist die Grundlage, auf die sich Planer und Gutachter berufen. Für private Räume ist sie nicht verpflichtend, liefert aber gute Anhaltswerte.

OEKO-TEX Standard 100

Der STANDARD 100 by OEKO-TEX ist ein Prüfsiegel, das Textilien auf Schadstoffe testet und nur gesundheitlich unbedenkliche Materialien zulässt. Bei Akustikvlies ist das relevant, weil das Material dauerhaft im Raum hängt und Luft hindurchströmt. Unsere Vliesabsorber sind nach diesem Standard zertifiziert.

Sabine-Formel

Die Sabine-Formel ist die klassische Rechenformel für die Nachhallzeit und lautet in Kurzform T gleich 0,161 mal Raumvolumen geteilt durch äquivalente Absorptionsfläche. Sie stammt aus dem Jahr 1900 und ist für normale Wohn- und Büroräume bis heute die brauchbarste Abschätzung. Praktisch bedeutet sie, dass ein doppelt so großer Raum auch doppelt so viel Absorptionsfläche braucht.

Schallabsorberklasse

Die Schallabsorberklasse ist die Einstufung eines Materials von A bis E, abgeleitet aus dem αw-Wert nach DIN EN ISO 11654. Für Räume, in denen gesprochen und gearbeitet wird, sind A und B die sinnvollen Ziele.

Klasse αw Bedeutung in der Praxis
A 0,90 bis 1,00 höchste Wirkung, erste Wahl für Büro, Schule, Gastronomie
B 0,80 bis 0,85 sehr gute Wirkung, für die meisten Wohnräume ausreichend
C 0,60 bis 0,75 spürbar, aber es braucht mehr Fläche für dasselbe Ergebnis
D 0,30 bis 0,55 geringe Wirkung, eher dekorativ als akustisch
E 0,15 bis 0,25 akustisch kaum relevant

Materialien und Bauarten

Akustikfilz

Akustikfilz ist ein verdichtetes Vlies mit fester, wohnlicher Oberfläche. Er nimmt weniger Schall auf als lockeres Vlies gleicher Dicke, hält dafür Kanten sauber und lässt sich als Trägerplatte verwenden. Bei unseren Akustikpaneelen sitzt er als 8 mm starke Rückseite hinter den Holzlamellen.

Akustikpaneel

Ein Akustikpaneel ist eine Wandverkleidung aus senkrechten Holzlamellen auf einer Filzplatte. Der Schall läuft zwischen den Lamellen hindurch in den Filz und wird dort geschluckt, während die Front wie eine Holzwand aussieht. Es ist die Lösung für alle, die Wirkung wollen, ohne dass der Raum nach Technik aussieht. Zu den Akustikpaneelen aus Holz und zur Montageanleitung.

Akustikschaumstoff

Akustikschaumstoff ist ein offenporiger Schaum für akustische Zwecke, oft mit Pyramiden- oder Noppenprofil. Er absorbiert gut und ist preiswert, wirkt optisch aber deutlich technischer als Vlies oder Filz. Mehr dazu auf unserer Seite zum Akustikschaumstoff.

Bassfalle

Eine Bassfalle ist ein besonders dicker Absorber für tiefe Frequenzen, der meist in einer Raumecke steht. Dort sammelt sich Bassenergie, weil sich in den Ecken die stehenden Wellen des Raumes treffen. In Heimkinos und Musikräumen ist sie oft der wirksamste einzelne Baustein.

Breitbandabsorber

Ein Breitbandabsorber ist ein Absorber, der über einen weiten Frequenzbereich wirkt statt nur in einem schmalen Ausschnitt. Erreicht wird das über ausreichende Materialdicke und meist einen Abstand zur Wand. Für normale Wohn- und Büroräume ist er in aller Regel die richtige Wahl.

Helmholtz-Resonator

Ein Helmholtz-Resonator ist ein Hohlraum mit enger Öffnung, dessen eingeschlossene Luft auf eine bestimmte Frequenz mitschwingt, ähnlich wie bei einer angeblasenen Flasche. Er ist auf eine schmale Frequenz abgestimmt und wird eingesetzt, wenn genau ein Ton im Raum stört. Für den Alltag ist er selten nötig.

PES-Vlies

PES-Vlies ist ein Vlies aus Polyesterfasern und das Material der meisten unserer Absorber. Es ist offenporig, faserfrei im Griff, schadstoffgeprüft und vollständig recyclingfähig, außerdem reizt es die Atemwege nicht. Damit eignet es sich auch für Kinderzimmer, Praxen und Haushalte mit Allergien.

Plattenschwinger

Ein Plattenschwinger ist ein Absorber, bei dem eine geschlossene Platte vor einem Luftraum mitschwingt und dem Schall dabei Energie entzieht. Er wirkt gezielt bei tiefen Frequenzen, dort wo poröse Absorber an ihre Grenzen kommen. Gebaut wird er meist als Spezialbauteil in Studios.

Poröser Absorber

Ein poröser Absorber ist ein offenporiges Material, in dem sich die Luft beim Durchströmen reibt und Schallenergie in Wärme umwandelt. Es ist die häufigste Bauart überhaupt. Er wirkt zuverlässig bei mittleren und hohen Frequenzen, bei tiefen Tönen hängt seine Wirkung stark von der Dicke und vom Wandabstand ab.

Bauformen und Montage

Akustikbild

Ein Akustikbild ist ein Schallabsorber mit bedruckter Stoffoberfläche. Der Druck ist schalldurchlässig, sodass die Wirkung erhalten bleibt und der Absorber wie ein Wandbild aussieht. Zu den Akustikbildern und zu Akustikbildern mit eigenem Motiv.

Baffel

Baffeln sind senkrecht abgehängte Absorberplatten, die nebeneinander wie Lamellen unter der Decke hängen. Weil beide Seiten frei in der Luft stehen, ist ihre Wirkung pro Quadratmeter Material besonders hoch. Typisch sind sie in Hallen, Kantinen und großen Büros. Zu den Baffeln.

Deckensegel

Ein Deckensegel ist eine waagerecht unter der Decke abgehängte Absorberplatte mit Abstand zur Rohdecke. Es wirkt von beiden Seiten und ist die erste Wahl, wenn die Wände zugestellt oder verglast sind. Zu den Deckensegeln und zu den Deckenabsorbern.

Trennwand

Eine akustische Trennwand ist ein frei stehendes oder auf dem Tisch montiertes Element, das abschirmt statt an der Wand zu hängen. Sie unterbricht den direkten Weg zwischen zwei Arbeitsplätzen und absorbiert gleichzeitig. In offenen Büros ist sie oft wirksamer als zusätzliche Wandfläche. Zu den Trennwänden.

Wandabsorber

Ein Wandabsorber ist eine Absorberplatte zur Montage an der Wand, üblicherweise auf Augenhöhe an der freien Fläche. Er dämpft genau die Reflexionen, die zwischen sprechenden Menschen hin und her laufen. Zur Auswahl an Wandabsorbern.

Wandabstand

Der Wandabstand ist der Luftraum zwischen Absorber und Wand und verbessert die Wirkung im tieferen Frequenzbereich deutlich. Der Grund ist, dass die Schallschnelle direkt an der harten Wand null ist und mit dem Abstand zunimmt. Schon wenige Zentimeter Luft hinter der Platte bringen hörbar mehr als dieselbe Platte flach aufgeklebt.

Anhaltswerte für die Nachhallzeit

Die verbindlichen Sollwerte der DIN 18041 hängen vom Raumvolumen und von der Nutzungsart ab. Für eine erste Einschätzung helfen diese Praxiswerte für mittelgroße Räume.

Raum Nachhallzeit als Anhaltswert
Wohnraum, Home-Office 0,4 bis 0,6 Sekunden
Klassenzimmer, Besprechungsraum 0,5 bis 0,6 Sekunden
Großraumbüro 0,5 bis 0,8 Sekunden
Restaurant, Kantine 0,6 bis 0,9 Sekunden
Sporthalle 1,3 bis 2,0 Sekunden

Die Werte sind Orientierung, keine Normzitate. Für Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude gilt die DIN 18041 mit volumenabhängigen Sollwerten.

Häufige Fragen zur Raumakustik

Was ist der Unterschied zwischen Schalldämmung und Schallabsorption?

Schallabsorption verringert den Nachhall im eigenen Raum, Schalldämmung verhindert, dass Schall in den Nachbarraum gelangt. Absorber aus Vlies oder Schaum arbeiten mit Porosität, Dämmung arbeitet mit Masse. Wer den Nachbarn hört, braucht schwere Bauteile und keine Absorber an der Wand.

Wie viele Schallabsorber brauche ich für meinen Raum?

Als Faustregel gelten 20 bis 30 Prozent einer Raumbegrenzungsfläche, belegt mit Material der Klasse A oder B. Wichtiger als die genaue Menge ist die Verteilung, denn zwei gegenüberliegende harte Flächen stören mehr als vier halb belegte. Für eine konkrete Zahl hilft unser Mengenrechner.

Wohin gehören die Absorber im Raum?

An die erste Reflexionsfläche zwischen Schallquelle und Hörer, also meist auf gegenüberliegende Wände und an die Decke. Zwei parallele glatte Wände sollten nie beide frei bleiben. In Räumen mit viel Glas oder Beton bringt die Decke am meisten, weil sie die größte ungestörte Fläche ist.

Welche Schallabsorberklasse sollte ich wählen?

Klasse A für Räume, in denen konzentriert gearbeitet oder gesprochen wird, also Büro, Schule, Praxis und Gastronomie. Klasse B reicht für die meisten Wohnräume aus. Klasse C und darunter brauchen für dasselbe Ergebnis deutlich mehr Fläche und lohnen sich selten.

Bringt ein Abstand zur Wand wirklich etwas?

Ja, und zwar deutlich im tieferen Frequenzbereich. Direkt an der harten Wand ist die Schallschnelle null, mit Abstand nimmt sie zu und das Material kann arbeiten. Schon drei bis fünf Zentimeter Luft hinter der Platte verbessern die Wirkung spürbar, ohne dass das Material dicker werden muss.

Funktioniert Raumakustik auch in einer Mietwohnung?

Ja, denn Absorber lassen sich ohne bauliche Veränderung anbringen. Magnet-Kits, Klebemontage und Seilabhängung kommen ohne Bohren aus, Trennwände und Stellelemente ganz ohne Befestigung. Bauliche Schalldämmung gegen Nachbarn ist dagegen Sache des Vermieters.

Normen, auf die sich dieser Text bezieht

  • DIN EN ISO 11654 — Bewerteter Schallabsorptionsgrad αw und die Einstufung in die Klassen A bis E
  • DIN 18041 — Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen, Sollwerte der Nachhallzeit je Nutzung
  • EN 13501-1 — Klassifizierung des Brandverhaltens von Bauprodukten
  • STANDARD 100 by OEKO-TEX — Schadstoffprüfung für textile Materialien

Begriff nicht gefunden?

Wenn dir ein Begriff fehlt oder du unsicher bist, welche Lösung zu deinem Raum passt, ruf uns an oder schreib uns. Wir rechnen deinen Raum gemeinsam mit dir durch. Beispiele nach Raumtyp findest du unter Anwendungsgebiete, ein echtes Materialmuster gibt es als Musterstück zum Anfassen, den direkten Draht unter Kontakt.

Zuletzt geprüft und aktualisiert im August 2026 von der Akustikberatung bei Wohnberger.

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